Stuttgart. Am Samstagmittag haben Gewerkschaften aus ganz Baden-Württemberg auf dem Schlossplatz und vor dem Landtag ein deutliches Zeichen gesetzt. Unter dem Motto „5 vor 12 – Höchste Zeit für gute Arbeit & gutes Leben“ versammelten sich rund 7.500 Gewerkschafter*innen im Herzen der Landeshauptstadt.
Ein starker Auftakt mit klarer Botschaft
Bereits um 11:30 Uhr füllte sich der Platz vor dem Gewerkschaftshaus. Von dort aus starteten die Aktiven der IG Metall Stuttgart zur Kundgebung am Schlossplatz.
Dort eröffneten Liane Papaioannou, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Stuttgart, und Sidar Carman, Geschäftsführerin von ver.di Stuttgart, die Veranstaltung mit einer gemeinsamen Begrüßung. Beide betonten die Bedeutung gewerkschaftlicher Geschlossenheit und machten deutlich, dass es jetzt politische Entscheidungen zugunsten der Beschäftigten brauche.
Papaioannou betonte dabei: „Wir haben keine Zeit mehr für politische Unentschlossenheit. Unsere Betriebe brauchen bezahlbare Energie, schnellere Genehmigungen und eine Infrastruktur, die Wachstum und Innovation möglich macht. Und eines muss klar sein: Fördermittel gibt es nur für Tarifbindung! Wer öffentliche Gelder will, muss gute Arbeit garantieren. Das ist unsere klare Erwartung an die Politik.“
Breites Spektrum an Redebeiträgen – gemeinsame Forderungen
Im Anschluss sprach Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg. Sie machte klar, dass die Beschäftigten Sicherheit statt wachsender Unsicherheit brauchen und dass dafür klare politische Entscheidungen zu Energiepreisen, Investitionen, Genehmigungen, Infrastruktur und Industriepolitik notwendig sind.
Maike Schollenberger, Landesbezirksleiterin von ver.di Baden‑Württemberg, machte deutlich, dass Sparpolitik nicht die Lösung, sondern die Ursache der kommunalen Krise sei und dass sich das Fiasko der Bahn keinesfalls in Städten und Gemeinden wiederholen dürfe.
Kai Burmeister, Vorsitzender des DGB Baden‑Württemberg, betonte auf der Bühne, dass die Menschen Investitionen statt Kürzungen erwarteten und dass eine Politik gebraucht werde, die Sicherheit für Beschäftigte, Kommunen und den Industriestandort schafft.
Ehrenamt und Mitbestimmung im Mittelpunkt
Besonders eindrücklich waren die Beiträge aus dem gewerkschaftlichen Ehrenamt:
Der Betriebsratsvorsitzende der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) brachte die Situation des Nahverkehrs auf die Bühne. Sein Appell: Ohne verlässliche Arbeitsbedingungen und politische Unterstützung drohen weitere Belastungen für Belegschaft und Fahrgäste.
Neben Ergun Lümali, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG schilderten Stefan Haag, Betriebsratsvorsitzender der Heller Maschinenfabrik, Bianca Becker, Betriebsrätin bei Heidelberger Druckmaschinen, und Manfred Thiele, Betriebsrat bei ZF Lifetec, eindrucksvoll, wie wichtig Mitbestimmung und Perspektive für Beschäftigte sind, gerade in Zeiten tiefgreifender Umbrüche.
IG Metall-Senior*innen: Solidarisch über Generationen hinweg
Ein starkes Zeichen setzten auch die Senior*innen der IG Metall Stuttgart. Der Ortssenioren-Ausschuss nahm mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen im Alter zwischen 63 und über 90 Jahren an der Kundgebung teil. Solidarisch an der Seite der aktiven Kolleginnen und Kollegen machten sie deutlich, dass gute Arbeit, ein gutes Leben und ein würdiges Leben im Ruhestand zusammengehören.
Ihre Botschaften waren klar: Ein Alter in Würde, bezahlbare und verlässliche Pflege, ein starkes Gesundheitswesen – und eine Rente, die man auch wirklich verdient hat.
Demo-Zug durch die Innenstadt
Auf der anschließenden Demonstration durch die Innenstadt gab es viel Zuspruch von Passant*innen. Die Stimmung: bunt und kämpferisch, solidarisch und entschlossen.
Jetzt ist die Politik am Zug!
Insgesamt ergab sich ein klares Bild: Die Herausforderungen sind groß, aber die Bereitschaft für Verbesserungen einzutreten, ist größer. Ob Energiepreise, Bürokratie, Industriepolitik, Wohnraum, Rente oder KI-Strategie: Die Kundgebung machte deutlich, dass es konkrete Lösungen braucht und dass die Gewerkschaften bereit sind, dafür Druck zu machen.